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Kausaladäquanz

(Max Weber)

Kausaladäquanz liegt dann vor, wenn innerhalb eines Handlungszusammenhangs eine nach den Regeln der Erfahrung angebbare Wahrscheinlichkeit besteht, dass auf ein Handeln x ein Handeln y folgt.

 

kinästhetisch

(Allgemein)

(Griech.) die Empfindung bzw. Wahrnehmung der Bewegungen und Haltungen des eigenen Leibes betreffend.

 

Klammern

(Erving Goffman)

Zeitliche oder räumliche Grenzzeichen zur Markierung des Anfangs, Endes oder einer Unterbrechung bzw. Fortsetzung sozialer Vorgänge.

 

koerzitiv

(Gerold Ungeheuer)

Menschen können Erfahrungen unbeabsichtigt und ungewollt machen. Diese Erfahrungen nennt Ungeheuer koerzitiv.

 

Kommissive

(John R. Searle)

Klasse von Sprechakten: In diese Klasse gehören alle sprachlichen Handlungen, die den Sprecher auf ein bestimmtes zukünftiges Verhalten festlegen, z. B. Versprechen, Garantieren, Geloben.

 

kommissive Äußerungen

(commissives)

(John L. Austin)

Klasse von Sprechakten: Verpflichtungsübernahmen, z. B. Versprechen, Zusagen, Schwören, Verpflichten, Wetten etc.

 

Kommunikation

(George Herbert Mead)

Kommunikation, bewusst

siehe symbolvermittelte Kommunikation

 

Kommunikation

(Gerold Ungeheuer)

Kommunikation, verbale

Die Gesamtheit sprachlicher Kommunikationshandlungen.

 

Kommunikation

(George Herbert Mead)

Kommunikation, unbewusst

siehe gebärdenvermittelte Kommunikation

 

Kommunikation

(George Herbert Mead)

Kommunikation, symbolvermittelt

Kommunikation, in der die beteiligten Individuen vermittels signifikanter Symbole in sich selbst wie im anderen dieselbe Reaktion hervorrufen und ihr Mitteilungshandeln im Hinblick auf die antizipierte Anschlussreaktion ihres Gegenübers planen. Diese Kommunikationsform läuft insofern bewusst ab, als den beteiligten Individuen die Bedeutung ihrer signifikanten Gebärden im Hinblick auf die soziale Handlung bewusst ist.

 

Kommunikation

(Niklas Luhmann)

Bei der Kommunikation handelt es sich weder um einen Prozess der Informationsübertragung, noch um ein direktes Mitteilungshandeln zwischen zwei oder mehr Menschen, sondern um eine komplexe Einheit und eigenständige soziale Operation, die ausschließlich von sozialen Systemen prozessiert wird und deren basic unit darstellt. Kommunikation löst das Problem der doppelten Kontingenz (s.d.) und besteht aus drei verschiedenen Selektionen: Information, Mitteilung und Verstehen (s.d.), die jeweils in einem verweisenden Zusammenhang zueinander stehen und erst zusammen in einer Synthetisierung Kommunikation als Einheit konstellieren, wobei die Verknüpfung gegenläufig zum aktuellen Zeitverlauf erfolgt. Von Kommunikation kann man sprechen, wenn Ego versteht, dass Alter eine Information mitgeteilt hat. Weder die Mitteilung, noch die Information, noch das Verstehen sind per se Kommunikation, sondern erst die Synthese der drei Selektionen. Die an Kommunikation beteiligten psychischen Systeme gehören nicht zum Kommunikationssystem, sondern zu dessen Umwelt; somit sind es auch nicht Menschen, sondern Kommunikationen, die kommunizieren.

 

Kommunikation

(Gerold Ungeheuer)

Kommunikation, nonverbale

Die Gesamtheit derjenigen Kommunikationshandlungen, die keine Sprechhandlungen sind. Oder positiv ausgedrückt: alle Arten kommunikativer Handlungen, bei denen bestimmte Zeichen (etwa Gesten) anstelle von oder zusätzlich zu Sprache verwendet werden.

 

Kommunikation

(George Herbert Mead)

Kommunikation, gebärdenvermittelt

Kommunikation, in der die Gebärden der beteiligten Organismen jeweils als Reiz für eine Reaktion seitens der anderen Organismen fungieren. Diese Kommunikationsform läuft insofern unbewusst ab, als keinem der beteiligten Organismen die Bedeutung ihrer Gebärde für die gesamte soziale Handlung bewusst ist.

 

Kommunikationsabsicht

(communication intention)

(John R. Searle)

Teil der Bedeutungsabsicht: Die Absicht des Sprechers, dass der Hörer erkennt, dass ein sprachlicher Akt mit einer bestimmten Repräsentationsabsicht vollzogen wird.

 

Kommunikationssemantik

(Gerold Ungeheuer)

Eine von Ungeheuer eingeführte Bezeichnung für das Kerngebiet der Kommunikationswissenschaft, welches sich mit den inneren Handlungen sprachlich interagierender Individuen beschäftigt.

 

Kommunikationsziel

(Gerold Ungeheuer)

Das primäre Handlungsziel der kommunikativen Sozialhandlung ist die gegenseitige Verständigung. Ungeheuer bezeichnet es als die minimalste Bedingung dessen, was zwischenmenschliche Kommunikation heißen kann.

 

Kommunikationszweck

(Gerold Ungeheuer)

Nachgeordnetes Handlungsziel, das durch die Kommunikation, neben dem grundlegenden primären Handlungsziel der gegenseitigen Verständigung, erreicht werden sollen.

 

kommunikative Subjektion des Hörers unter den Sprecher

(Gerold Ungeheuer)

Die vom Hörer zum Zwecke der Kommunikation zugelassene Steuerung seiner verstehensrelevanten inneren Erfahrungsakte durch die sprachlichen Formulierungen des Sprechers. Der Kommunikationsprozess ist also grundsätzlich asymmetrisch. Die Symmetrie wird dadurch hergestellt, dass im Ablauf der kommunikativen Interaktion die Rollen von Sprecher und Hörer wechseln können.

 

konduktive Äußerungen

(behabitives)

(John L. Austin)

Klasse von Sprechakten: Der Sprecher nimmt eine bestimmte Haltung gegenüber Anderen ein, z. B. Danken, Beglückwünschen, Bedauern, Kritisieren.

 

konstative Äußerungen/Konstativa

(John L. Austin)

Etymologisch (lat.): festsetzen, feststellen. In dem früheren Entwurf der Sprechakttheorie Austins Feststellungsäußerungen, wie etwa Behauptungen, die wahr oder falsch sein können, im Unterschied zu performativen Äußerungen, die gelingen oder misslingen können.

 

Kontingenz

(Allgemein)

Nach Aristoteles die Bezeichnung für dasjenige, was weder notwendig noch unmöglich ist.

 

Kontingenz, (zweifach) doppelte

(Niklas Luhmann)

Eine Situation, in der etwas möglich, aber nicht zwingend notwendig ist, ist kontingent. Eine Situation, in der sich zwei selbstreferentielle Prozessoren bzw. informationsverarbeitende Systeme wechselseitig beobachten können, lässt sich als 'doppelt kontingent' charakterisieren, da die Verhaltensmöglichkeiten eines jeden der beiden Systeme - aufgrund ihrer prinzipiellen Intransparenz bzw. Opakheit füreinander - für das jeweils andere nicht vorhersehbar sind. Aus der Perspektive zweier Interaktionspartner ist die Situation 'zweifach doppelt kontingent', da sowohl Alter als auch Ego kontingent handeln und dies voneinander wissen und sogar voneinander wissen, dass sie es voneinander wissen. Die Auflösung der doppelten Kontingenz kommt durch die Unterstellung einer Beeinflussungsmöglichkeit zustande. Die Unmöglichkeit des gegenseitigen Wissens von der Verhaltenswahl des Anderen, als Effekt der Intransparenz von selbstreferentiellen Systemen, führt auf der Ebene interaktionaler Begegnung geradezu zwangsläufig zur wechselseitigen Anbindung prozessierten Verhaltensausdrucks - und dies in selbstbezüglicher Weise auf einem höheren Emergenzniveau: also als und durch Kommunikation (s.d.).

 

Konvention

(Allgemein)

Etymologisch (lat.): Übereinkunft. Die Verhaltensnormen, die sozialem Handeln zugrunde liegen und durch Sanktionen gegenüber Abweichungen stabilisiert sind. Auf der Ebene der sprachlichen Handlungen gewährleisten sie als Gelingensbedingungen einen wechselseitig erwartbaren Kommunikationsablauf.

 

konzentrierte Zusammenkunft

(Erving Goffman)

Eine Zusammenkunft, in der lediglich zwei Personen anwesend sind, die sich an einer zentrierten Interaktion beteiligen.

 

Kooperation

(Allgemein)

Etymologisch (lat.): Mitwirkung. Das planvolle Zusammenwirken von Handelnden auf ein gemeinsames Ziel hin.

 

Koordination

(Allgemein)

Etymologisch (lat.): Nebenordnung. Die wechselseitige Abstimmung von Handlungen, ohne dass ein gemeinsames Ziel angestrebt wird.

 

Koorientierung

(Karl Bühler)

Das gegenseitige Orientieren aneinander im sozialen Miteinander.

 

Kopräsenz

(Erving Goffman)

Kopräsenz bzw. Gemeinsame Anwesenheit ist dann gegeben, wenn sich mindestens zwei Personen wechselseitig wahrnehmen. D. h. jede der beteiligten Personen nimmt den jeweils Anderen war und nimmt darüber hinaus wahr, dass sie von ihm wahrgenommen wird.

 

Kosmologie

(Erving Goffman)

Das bezüglich Situationsdefinitionen und Rahmungswissen gemeinsame Vorstellungssystem innerhalb einer Kultur.

 

Kovarianz

(Karl Bühler)

Wechselseitig angepasste Verhaltensänderungen der Beteiligten in einer sozialen Situation; "Das Benehmen des einen spricht auf das Benehmen des andern an. Wenn A seinen Gang beschleunigt oder verlangsamt, stehen bleibt, umkehrt, abbiegt, können wir beobachten, ob B offen oder verschleiert mitgeht oder nachsteigt, allgemein gesagt, ob er kovariiert." [Bühler 1927, 85 f.]

 

kruziale Kommunikation

(Gerold Ungeheuer)

Kruziale Kommunikation ist dadurch charakterisiert, dass sie nicht stattfindet, um eine übergeordnete Sozialhandlung zu koordinieren (z. B. wissenschaftliche Diskussionen). In Fällen kruzialer Kommunikation können für die Überprüfung des Kommunikationserfolges allein kommunikative Mittel eingesetzt werden, d. h. die Erfolgskontrolle ist selbst wiederum Kommunikation.

 

Kundgabe

(Karl Bühler)

Von Bühler vor der 'Sprachtheorie' (1934) verwendeter Begriff für Ausdruck (s. d.)

 

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