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ScheinproblemBezeichnung für ein philosophisches Problem, dessen Lösung unmöglich ist, d. h. es ist kein methodisches Verfahren denkbar, mit dessen Hilfe das Problem kontrolliert gelöst werden könnte. Der logische Empirismus sieht die traditionellen metaphysischen Probleme als Scheinprobleme an, die es durch sprachliche Analysen aufzudecken und aufzulösen gilt.
SelbstorganisationSelbstorganisierende Systeme werden nicht durch ihre Umwelt gesteuert, sondern lediglich unspezifisch gestört und reagieren auf ihre Umwelteinflüsse ausschließlich im Rahmen ihrer Eigenlogik.
Selbstreferentialität, selbstreferentiell/fremdreferentiellDie Selbst- bzw. Fremdbezüglichkeit der Operationen eines Systems, d.h. das selbstreferentielle System prozessiert nur auf der Grundlage seiner eigenen Elemente, Operationen und Strukturen, wobei es insbesondere eine eigene Beschreibung seines Selbst erzeugt und benutzt und so eine Differenz zur Umwelt erzeugt.
SelbsttypisierungUm seine Handlungen mit Zeitgenossen zu koordinieren, typisiert sich der jeweilige Akteur selbst in der Weise, wie er erwartet, dass seine Handlungspartner ihn typisieren. Z. B. typisiert sich derjenige, der einen Brief abschickt als Postkunde und vollzieht typische Handlungen, die von den Postangestellten von ihm erwartet werden. Er schreibt einen Brief, frankiert ihn ausreichend und steckt ihn in einen Briefkasten (typischer Handlungsablauf).
Semantik(Allgemein) Teildisziplin der Linguistik, die sich mit der Analyse und Beschreibung der sog. wörtlichen Bedeutung von sprachlichen Ausdrücken beschäftigt. Nach Morris Teilgebiet der Semiotik, das sich mit den Beziehungen zwischen den Zeichen und dem, wofür sie stehen, befasst
SemantizitätDie Fähigkeit oder Möglichkeit, bedeutungstragende Zeichen - also z. B. die menschliche Sprache - zu gebrauchen. Laut Bühler ist die Existenz von Gemeinschaft notwendige Bedingung für Semantizität.
Semiotik(Allgemein) Etymologisch (gr..): Zeichenlehre. Wissenschaft von den Strukturen und Funktionen verbaler und nonverbaler Zeichenprozesse.
SignalDie semantische Funktion des Sprachzeichens "[...] kraft seines Appells an den Hörer, dessen äußeres oder inneres Verhalten es steuert wie andere Verkehrszeichen." (Bühler 1934, 28)
signifikantes SymbolGebärden, die im sie verwendenden Individuum dieselbe Reaktion auslösen wie in dem Individuum, an das sie gerichtet sind. Sie ermöglichen dahingehend bewusste Kommunikation, als das sie verwendende Individuum sich der Bedeutng seiner signifikanten Gebärde bewusst ist und seine Handlungen im Hinblick auf die antizipierte Reaktion seitens seines Gegenübers planen und kontrollieren kann.
SinnSinn, objektiv Objektiv konstituiert sich Sinn für einen Beobachter dadurch, dass die Gebärde eines Organismus als Reiz für die Reaktion seitens eines anderen dient. Der Sinn besteht dann objektiv in der durch die Reaktion zustandegekommenen sozialen Handlung. Die Reaktion 'interpretiert' die Gebärde als Teil einer sozialen Handlung.
SinnSinn, subjektiv Der vermittels signifikanter Symbole verinnerlichte Sinn des eigenen Verhaltens im Hinblick auf die soziale Handlung.
SinnSinn/sinnhaft Die Ziele, Gefühle oder Werte, die die jeweils Handelnden mit ihrem Tun verbinden. Sinnhaftes menschliches Tun bezeichnet Weber als Handeln, nicht mit einem Sinn verbundenes Tun als Verhalten. Der Sinn kann dem Handelnden bewusst, unbewusst oder diffus bewusst sein.
SinnVon Frege ausgehend unterscheidet Austin zwischen Sinn und Referenz eines sprachlichen Ausdrucks. Der Sinn ist die ‘Art des Gegebenseins’ des von sprachlichen Ausdrücken Bezeichneten, die Referenz, das sprachliche Objekt, auf das er verweist. Demnach haben etwa die Eigennamen 'Abendstern’ und ‘Morgenstern’ denselben Referenten (nämlich den Planeten Venus) aber einen unterschiedlichen Sinn.
SinnUnter Sinn versteht Luhmann das ständige Prozessieren der Differenz von Aktualität und Potentialität. Die soziologisch relevanten Dimensionen von Sinn sind die Zeit-, Sach- und Sozialdimension. Dabei resultiert die Zeitdimension aus der prozessierten Unterscheidung von Vorher versus Nachher, die Sachdimension aus diesem versus anderem, diesem Gegenstand und nicht jenem oder diesem Thema und keinem anderen und die Sozialdimension aus der prozessierten Unterscheidung des Verhältnisses und der Perspektiven zwischen Ego und Alter ego.
Sinnadäquanz/ sinnadäquatSinnadäquat ist ein Handlungszusammenhang dann, wenn die Beziehung der einzelnen Handlungseinheiten untereinander kulturtypisch - also abhängig von durchschnittlichen Denk- und Gefühlsgewohnheiten einer Kultur - als sinnvoll bejaht wird. Als Beispiel nennt Weber die "richtige" Lösung einer Rechenaufgabe.
SituationDie gesamte räumliche Umgebung einer Zusammenkunft.
situationellEreignisse, die ausschließlich in face-to-face-Situationen vorkommen können.
SozialbehaviorismusMeads theoretischer Standpunkt, der sich aus der Verbindung eines durch den Begriff der Einstellung modifizierten Behaviorismus und der Sozialpsychologie ergibt.
soziale BeziehungSeinem gemeinten Sinn nach wechselseitig aufeinander bezogenes soziales Handeln von mindestens zwei Beteiligten (z. B. Gespräch, Liebe, Kampf, Macht). Es ist für das Bestehen der sozialen Beziehung nicht notwendig, dass die Beteiligten den gleichen subjektiven Sinn mit der Beziehung verbinden. Auch spielt die Dauer der Beziehung keine Rolle, sie kann sowohl flüchtig als auch dauerhaft sein.
soziale TatsachenAlle Fälle kollektiver intentionaler Tatsachen, institutionelle Tatsachen sind eine besondere Unterklasse sozialer Tatsachen.
sozialer AnlassDer soziale Kontext von Zusammenkünften. Soziale Anlässe umfassen spezifische Regelungen, die den Ablauf der Zusammenkünfte, die Rollen der Beteiligten und deren Engagement im Rahmen des Anlasses bestimmen.
sozialer RahmenPrimärer Rahmen, der im Gegensatz zu "natürlichen Rahmen" auf alle Arten von "Handlungen" angewandt wird, also auf zielgerichtete, einem Willen unterworfene und gesteuerte Ereignisse. Siehe auch: Rahmen, sozialer Rahmen
soziales Handeln/SozialhandlungSoziales Handeln ist seinem subjektiv gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogenes und orientiertes Handeln eines Einzelnen. Handlungen mit-, für- oder gegeneinander sind Sozialhandlungen, nicht jedoch rein reaktives Massen- oder Nachahmungshandeln. Die Sozialhandlung als kleinste Einheit bzw. Letztelement sozialer Prozesse stellt nach Weber den konstitutiven Grundbegriff der Soziologie dar, indem sie als das 'genuin Soziale' ihren Objektbereich markiert und somit alles 'Nicht-Soziale' aus diesem ausgrenzt.
soziales System/SozialsystemEin autopoietisches, selbstreferentielles und sinnkonstituierendes System, das sich in Differenz zu einer Umwelt konstituiert und aus Kommunikationen als Operationen und Letztelementen (basic units) besteht. Die drei Typen sozialer Systeme sind Interaktions-, Organisations- und Funktionssysteme (s.d.).
Sozialhandlung/ soziale Handlung/ GemeinschaftshandlungSozialhandlungen werden durch das gemeinsame, koordinierte Handeln von mindestens zwei Individuen konstituiert.
Sozialontologie(Allgemein) Die Sozialontologie problematisiert als philosophische Disziplin das Sein des Anderen und versucht, die fundamentale Beziehung des sozialen Seins, also zwischen Ego und Alter ego, zu ergründen.
Soziologie(Allgemein) Diejenige Wissenschaft innerhalb der Sozialwissenschaften, die sich mit den Beziehungen zwischen den Menschen, den Beziehungen innerhalb und zwischen sozialen Gebilden (Gruppen, Organisationen usw.) sowie ihrer besonderen Merkmale im jeweiligen sozio-kulturellen Kontext unter besonderer Berücksichtigung der Interdependenzen zwischen den einzelnen Subsystemen der Gesellschaft (Politik, Wirtschaft usw.) beschäftigt.
sozio-perzeptiver KontaktBei jeder Kommunikation in einer Vis-à-Vis-Situation findet ein Prozess wahrnehmungsbegründeter Eindrucksbildung gemäß den Kategorien Sympathie/Antipathie statt. Dieser sozio-perzeptive Kontakt ist selbst noch keine Kommunikation, bildet aber deren Grundlage.
sprachanalytische Philosophie(Allgemein) Ein methodischer Ansatz innerhalb der Philosophie, der davon ausgeht, dass die von der Philosophie zu bearbeitenden Probleme auf dem Weg sprachlicher Analyse anzugehen sind.
SprachgebildeWie das Sprachwerk ein subjektentbundenes Sprachphänomen, im Gegensatz zu diesem jedoch auf einer höheren Formalisierungsstufe (vgl. Bühler 1934, 48 ff.)
Sprachphilosophie(Allgemein) Bezeichnung für diejenige philosophische Disziplin, die sich mit der Sprache und ihrem Gebrauch sowie ihrer konstitutiven Bedeutung für den Menschen und seinen Erkenntnismöglichkeiten befasst.
Sprachphilosophie(Allgemein) Bezeichnung für diejenige philosophische Disziplin, die sich mit dem Gegenstand der Sprache befasst.
Sprachspiel(Allgemein) Ein von Ludwig Wittgenstein in seiner Spätphilosophie geprägter Terminus zur Kennzeichnung der Verflechtung sprachlicher Ausdrücken mit nicht-sprachlichen Handlungen. Sprachliche Ausdrücke sind immer in verschiedene Handlungs- und Situationskontexte eingebettet, die Wittgenstein als Lebensform bezeichnet. Sprechen ist Teil einer Tätigkeit oder Lebensform.
SprachwerkWie das Sprachgebilde ein subjektentbundenes Sprachphänomen, im Gegensatz zu diesem jedoch auf einer niederen Formalisierungsstufe (vgl. Bühler 1934, 48 ff.)
SprechaktWie die Sprechhandlung ein subjektbezogenes Sprachphänomen, im Gegensatz zu diesem jedoch auf einer höheren Formalisierungsstufe (vgl. Bühler 1934, 48 ff.)
Sprechakt/SprachhandlungDie Gesamtheit der Handlungen, die ein Sprecher vollzieht, wenn er etwas sagt. Ein Sprechakt lässt sich als die Gesamtheit der drei Teilakte lokutionärer, illokutionärer und perlokutionärer Akt beschreiben.
Sprechakt/SprachhandlungFür Searle ist der Sprechakt die Grundeinheit der Kommunikation. Er unterscheidet dabei zwischen Äußerungsakt, propsitionalem Akt, illokutionärem Akt und perlokutionärem Akt.
Sprechakttheorie(Allgemein) Von J. L. Austin eingeführter und von John R. Searle weiterentwickelter sprachphilosophischer Ansatz der sprachliche Äußerungen als Handlungen rekonstruiert und systematisch darstellt, was Menschen tun, wenn sie sprechen.
SprechhandlungWie der Sprechakt ein subjektgebundenes Sprachphänomen, im Gegensatz zu diesem jedoch auf einer niederen Formalisierungsstufe (vgl. Bühler 1934, 48 ff.)
Standardzeit/ äußere Zeits. 'äußere Zeit'
StatusfunktionEine Form der Funktionszuweisung, bei der einem Objekt oder Sachverhalt eine Verwendungsfunktion zugewiesen wird, die darin besteht, zu symbolisieren, zu repräsentieren, für etwas zu stehen. Die Klasse bestehender Statusfunktionen ist identisch mit der Klasse institutioneller Tatsachen.
Steuerung, einseitigeEinfache Reaktion eines Beteiligten auf das Verhalten eines anderen, das als Ereignis die Reaktion auslöst und so einseitig steuert, jedoch keine rückwirkende Orientierung auf Seiten des Ereignisauslösers einschließt.
Steuerung, gegenseitige bzw. wechselseitigeDie wechselseitige Steuerung, die alles soziale Handeln begleitet und grundiert, vollzieht sich entweder als nichtsprachliches Zeigehandeln oder als symbolisches Zeigesprechen. Im ersten Fall des Zeigehandelns kongruieren Wahrnehmungs- und Handlungsraum, und die Steuerung findet als demonstratio ad oculos bzw. ad aures statt. Im zweiten Fall des Zeigesprechens sind Wahrnehmungs- und Handlungsraum getrennt, und die Steuerung findet als Deixis am Phantasma statt.
strukturelle KopplungDas Verhältnis eines Systems zu den für seine Autopoiesis (s.d.) notwendigen Umweltvoraussetzungen. Soziale Systeme sind z.B. immer auf das Vorhandensein psychischer Systeme angewiesen, obwohl beide Systeme operationell geschlossen (s.d.) sind und weder Gedanken Elemente der Kommunikation werden können, noch umgekehrt. Obwohl jedes System ausschließlich selbst seine eigenen Operationen durchführt, stehen notwendigerweise, um die eigenen Reproduktionsmöglichkeit zu gewährleisten, beide unterschiedlichen Systemtypen in einem spezifischen, Sinn verarbeitenden Modus der Bezugnahme: sie stehen zueinander im Modus der strukturellen Kopplung. Qua struktureller Kopplung kann sozialen und psychischen Systemen zum einen das Verhältnis der co-evolutiven Ausbildung und zum anderen der Modus der Gleichzeitigkeit zugeschrieben werden.
Suggestion"Jeder von uns wachenden und kritikgewohnten Menschen, der als Hörer den Worten eines Sprechers Einlass gewährt, hängt zunächst einmal in irgendeinem Grade am Leitseil des Sprechers. Und das ist im strengen Wortsinn Suggestion." [Bühler 1927, 92.]
Symbol(Bei Bühler auch 'Nennwort') Die semantische Funktion des Sprachzeichens "[...] kraft seiner Zuordnung zu den Gegenständen und Sachverhalten" (Bühler 1934, 28)
SymbolfeldDas Axiom D in Bühlers 'Sprachtheorie' (1934) besagt, dass die Sprache als Zweiklassensystem, genauer: als Symbolfeld, zu beschreiben ist, d. h. das System der Sprache beruht auf den zwei grundlegenden Verwendungsmodi von Wortwahl (lexikalische Bedeutung) und zugleich Satzbau (syntaktische Ordnung).
Symbolischer Interaktionismus(Allgemein) Von Herbert Blumer (1900-1987) stammender Begriff zur Kennzeichnung einer Theorie, die davon ausgeht, dass menschliches Handeln nur auf der Grundlage der damit verbundenen Bedeutung verständlich ist und dass diese Bedeutung selbst ein Produkt von Aushandlungsprozessen ist. Menschen gelangen durch Interaktionsprozesse zu gemeinsamen Symbolen und Situationsdefinitionen und schaffen und verändern demnach - wenn auch unbewusst - selbst ihre Realität.
SymptomDie semantische Funktion des Sprachzeichens "[...] kraft seiner Abhängigkeit vom Sender, dessen Innerlichkeit es ausdrückt" (Bühler 1934, 28)
synkopierte/gehemmte HandlungBegonnene aber nicht ausgeführte Individualhandlung, die durch Gebärden angezeigt wird.
synsemantischSituationsentbunden; sprachliche Äußerungen, die unabhängig von der Situation ihrer Verwendung verstanden werden können und insofern 'selbstgenügsam' sind.
Syntax(Allgemein) Teilbereich der Grammatik natürlicher Sprachen, ein System von Regeln, die bestimmen, wie aus einem Inventar von Grundelementen (Worte, Morpheme etc.) alle wohlgeformten Sätze einer Sprache abgeleitet werden. Nach Morris Teilgebiet der Semiotik, das sich mit der Anordnung und der Beziehung der Zeichen untereinander befasst.
Systemgriech. "das Zusammengesetzte"; eine durch eine Anzahl in Beziehung stehender Elemente bestehende Einheit, die eine Struktur hat und sich von der sie umgebenden Umwelt unterscheidet. Die Ganzheit des Systems ist dabei mehr als die Summe seiner Teile.
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