| Gerold Ungeheuers Relevanz für die Kommunikationswissenschaft |
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Den wohl umfassendsten Beitrag zur Erfassung des vielschichtigen und komplexen Phänomens der Kommunikation hat Gerold Ungeheuer mit seinem – auf viele Abhandlungen verstreuten – Ansatz einer allgemeinen Kommunikationstheorie vorgelegt. Ungeheuer kann als der Begründer einer sozialwissenschaftlichen Kommunikationswissenschaft in Deutschland bezeichnet werden, die, ausgehend von dem paradigmatischen Fall der dialogförmigen, sprachlichen Kommunikation in Vis-à-Vis-Situationen, versucht, sprachwissenschaftliche, zeichentheoretische und philosophische Ansätze zu einer allgemeinen Kommunikationstheorie zu integrieren. In seinem kommunikationstheoretischen Entwurf folgt Ungeheuer nicht dem in der übrigen Kommunikationswissenschaft weit verbreiteten Ausdrucksmodell der Kommunikation, das – immer noch – die meisten Ansätze zu einer Theorie über zwischenmenschliche Kommunikation prägt. Er entwickelt vielmehr ein Eindrucksmodell der Kommunikation, das sich um eine gleichrangige Behandlung der kommunikativen Tätigkeiten von Hörer und Sprecher bemüht, um so die kommunikative Sozialhandlung in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Ungeheuer nimmt die Möglichkeiten und Eigenschaften menschlicher Erfahrung zum Ausgangspunkt seiner Theorieentwicklung und versucht zu zeigen, dass Kommunikation bedingt ist durch die spezifische Konstitution des Menschen. Die Innen-Außen-Dichotomie sowie die individuelle Welttheorie werden dabei als die grundlegenden Merkmale herausgestellt. Einerseits geben diese erst Veranlassung zur Kommunikation, da den handelnden Individuen die Innenwelt des jeweils anderen nicht direkt und unmittelbar zugänglich sind, anderseits bedingen sie den prinzipiell falliblen Charakter der Kommunikation. Kommunikative Sozialhandlungen werden als vermittelte Interaktionen verstanden, deren Handlungsziel die zwischenmenschliche Verständigung ist, die durch die Verwendung von Zeichen oder Symbolen in verbalen und non-verbalen Handlungen bestimmt ist. Ungeheuer versteht dabei jede kommunikative Handlung als die Lösung eines praktischen Problems, sodass einer allgemeinen Kommunikationstheorie eine Problemlösungstheorie zugrunde gelegt werden muss, die er allerdings – aufgrund seines frühen Todes – nur in ihren Grundzügen skizzieren konnte. Zu einer umfassenden und abschließenden Formulierung des kommunikationstheoretischen Ansatzes Gerold Ungeheuers ist es bis heute nicht gekommen.
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