| Karl Bühler: Relevanz für die Kommunikationswissenschaft |
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Inhaltsverzeichnis1. Das Erkenntnisinteresse Bühlers2. Die Bedeutung Bühlers für die Kommunikationswissenschaft
1. Das Erkenntnisinteresse BühlersKarl Bühler (1879-1963) war Mediziner, Psychologe und Philosoph, also von Hause aus kein Sprachwissenschaftler. Ein vordringliches Ziel war Bühler die Programmatik einer neuen Psychologie, die Begründung einer allgemeinen geisteswissenschaftlichen Psychologie. Geradezu paradigmatisch sollten für die Psychologie am Phänomen der Sprache Theoreme und Prinzipien formuliert werden, um sie aus ihrer Krise zu lotsen. Mit diesem Anspruch sowie seinem ideengeschichtlich sehr weiten Verständnis von Philosophie und Psychologie hat er sich grundlegend mit sprachgeschichtlichen Studien, mit Entwicklungstheorien der Sprache, mit der Frage nach dem Quellpunkt der Semantik, mit der Korrelation von Kleinkindentwicklung und Sprachentwicklung sowie späterhin dann mit einer allgemeinen Theorie der Sprache auseinandergesetzt. Auf seinem Hauptgebiet, der Psychologie, war er in aller Breite auf den Gebieten der Denk-, Wahrnehmungs-, Entwicklungs- Gestalt-, Kinder- und Tierpsychologie tätig; weiterhin galt sein Erkenntnisinteresse der Sprachpathologie und der Sematologie. Ein gemeinsamer Nenner dieser verschiedenen Interessen und Forschungen sind immer wieder das Phänomen der Sprache und die Natur zeichenhafter Prozesse. Im Wesentlichen rekonstruiert die folgende Einführung das Werk und die Theorien Bühlers unter zwei Aspekten. Zum einen wird die Grundlegung seines kommunikationstheoretischen Ansatzes behandelt, wie er aus der "Krise der Psychologie" (1927) herauszulesen ist. Zum anderen wird die allgemeine Zeichen- und Sprachtheorie behandelt, wie sie aus der "Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache" (1934) herauszulesen ist. Die daraus wohl meist rezipierte Passage ist das ‚Organonmodell', das Bühler vornehmlich in der Auseinandersetzung mit Platons sprachtheoretischem Dialog "Kratylos", mit Ferdinand de Saussures "Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft", mit Edmund Husserls "Logischen Untersuchungen" und "Cartesianischen Meditationen" sowie schließlich mit den sprachgeschichtlichen Studien von Wilhelm von Humboldt und Hermann Paul entwickelt hat.
2. Die Bedeutung Bühlers für die KommunikationswissenschaftUm die Bedeutung Bühlers für die Kommunikationswissenschaft auszuweisen, seien zusammenfassend einige kommunikationstheoretische Implikationen in einem Überblick vorausgeschickt. Nach dem Essener Verständnis lässt sich Kommunikation als soziales Geschehen beschreiben, an dem mindestens zwei Menschen beteiligt sind, die in gegenseitiger Einstellung durch den Einsatz von Zeichen, Sprache und Medien ein wechselseitiges Mitteilungs- und Verständigungshandeln prozessieren, um etwas zu erreichen oder gemeinsam auf ein Ziel hin tätig zu sein. Diese Merkmale lassen sich auch in Bühlers Werk aufzeigen. Zum Ersten lässt sich der soziale Kontext anführen. Eine Voraussetzung, nach dem Quellpunkt der Semantik und der Entwicklung der Sprache zu fragen, liegt für Bühler in der Annahme, dass dort, wo Verständigung ausgehandelt wird, auch eine (menschliche) Gemeinschaftsform existiert. Zeichenverkehr und Sprechhandeln sind also nicht beim Einzelnen zu verorten, sondern gleichzeitig vermitteln sich Formen der Gemeinschaft mit den Formen von Verständigungsmitteln. Nach Bühler kann eine soziale Grundsituation mit mindestens zwei Aktionspartnern, einem Zeichengeber und einem Zeichennehmer, beschrieben werden, die ein koaktives Handlungsgefüge bilden. Zum Zweiten ist auf den Prozesscharakter von Kommunikation einzugehen. Die Formen zeichenhaften Handelns und der Vermittlung von Zeichen beschreibt Bühler in ihrer Funktion der wechselseitigen Steuerung auf ein Handlungsziel. So wie jedes Handeln (individuell) zielgesteuert ist, so ist die Sprechhandlung in besonderer Weise an den Hörer gerichtet und an ihm (ziel-)orientiert, wobei im Verlauf der Sprechhandlung die Positionen zwischen Sprecher und Hörer idealtypisch kontinuierlich wechseln. Zum Dritten lässt sich auf die Sprache in ihrer Zeichenhaftigkeit eingehen. In ihrer Gattungsgeschichte und in einem sozioevolutionären Prozess haben sich die Menschen die Sprache geschaffen als höchst komplexes und kulturell einzigartiges Instrumentarium der wechselseitigen Kundgabe und Kundnahme. Dabei weist die Sprache als Medium kommunikativen Handelns eine dreifache Zeichenhaftigkeit auf. Nicht in der Beschreibungsfunktion (Symbolcharakter) liegt ihre spezifische Leistung, sondern in dem Zusammenspiel der drei Funktionen von Ausdruck, Darstellung und Appell.
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